In dieser Rubrik stellt Experten-Insider Menschen vor, die von ihrem Wissen leben: was sie gebaut haben, welche Entscheidungen dahinterstehen, was sich davon lernen lässt. Hinweis: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer PR-Kooperation mit BusinessQuest.

Wer

Gesa Heiten, Organisationsberaterin und Gründerin von BusinessQuest in Meinhard. Seit Jahren begleitet sie Führungsteams und Unternehmer in Veränderungsprozessen. Im Herbst 2026 erscheint ihr Buch „Business Council. Warum Organisationen an Meinungen scheitern und durch Zuhören klüger werden."

Wofür sie steht

Heiten hat ein Format entwickelt, das auf eine alte Gesprächsform zurückgreift: den Rat. Im Business Council sitzen Menschen nicht, um Positionen zu verteidigen, sondern um gemeinsam zu erkunden, was eine Situation wirklich erfordert. Das klingt einfach. Es ist es nicht, weil es dem widerspricht, was in den meisten Organisationen als Kompetenz gilt.

„Je komplexer die Lage, desto lauter die Meinungen. Und desto leiser das, was wirklich gebraucht würde: Beschreibung statt Behauptung."

Die Unterscheidung, auf die es ankommt

Heitens zentraler Gedanke dreht sich um den Unterschied zwischen Meinung und Wahrnehmung. Eine Meinung ist ein verdichtetes Endergebnis: Sie steht für etwas, verteidigt sich, lässt sich gegeneinander stellen, aber kaum gemeinsam erkunden. Eine Wahrnehmung beschreibt das Vorgelagerte: was jemand tatsächlich beobachtet hat, erlebt hat, gespürt hat. Wer in Meetings auf Wahrnehmungen zurückgeht, öffnet den Möglichkeitsraum. Wer nur Meinungen austauscht, schließt ihn.

Drei Szenarien, die sie immer wieder beobachtet: Strategierunden, in denen zu früh abgestimmt wird. Team-Meetings, in denen Bedenken unausgesprochen bleiben. Führungskräfte, die unter Druck geraten, vorschnelle Antworten geben zu müssen. In allen drei Fällen dasselbe Ergebnis: kein gemeinsames Bild der Lage, sondern ein Wettbewerb der Positionen.

Drei Dinge zum Mitnehmen

  • Wahrnehmung vor Bewertung: Wer in Gesprächen zuerst Beobachtungen sammelt, bevor Positionen bezogen werden, verändert die Qualität der Entscheidungen. Das ist keine Soft-Skill-Übung, sondern strukturelle Führungsarbeit.
  • Kleine Eingriffe statt großer Kulturprogramme: Persönliche Standortbestimmungen vor Sachdebatten, klare Redezeiten-Regelungen, der Fokus auf Erfahrungen statt Bewertungen: diese Verschiebungen sind klein im Aufwand und groß in der Wirkung.
  • Format als Träger: Das Business-Council-Prinzip zeigt, dass Gesprächsformat und Führungskultur untrennbar sind. Wer das Format verändert, verändert, was möglich wird.

Wo du mehr findest

Den vollständigen Fachbeitrag „Warum Organisationen an Meinungen scheitern" sowie weitere Impulse rund um das Business-Council-Konzept gibt es auf business-council.de. Das Buch erscheint im Herbst 2026.